Veranstaltungen 2018 / 2019

 

Dienstag | 6. November 2018 | 19.30 Uhr

Ort: Buchhandlung „Der Zauberberg“, Bundesallee 133, 12161 Berlin-Friedenau


Dagmar von Gersdorff liest aus ihrer neuen Biographie

Julia Mann - Die Mutter von Heinrich und Thomas Mann“


Julia da Silva-Bruhns (1851-1923) wuchs auf einer Zuckerrohrplantage bei Rio de Janeiro auf. Mit achtzehn heiratete sie den Konsul Johann Thomas Heinrich Mann in Lübeck. In der Hansestadt war sie eine aparte Schönheit mit exotischem Flair. Sie spielte ausgezeichnet Klavier, sang sehr gut, malte, schrieb Gedichte und Erzählungen – sie war es, die ein poetisches, musisch-exotisches Element in die nüchterne Lübecker Kaufmannsfamilie einbrachte. Laut Thomas Mann stammen „Künstlertum und Bohème“ von ihr; immer wieder hat er in seinem Werk den Gegensatz von nord-und südländischer Kultur, von Bürgerexistenz und Künstlertum zum Thema gemacht. Als Mutter von fünf Kindern musste Julia Mann dramatische familiäre Verwerfungen erleiden: das schwierige Verhältnis der Geschwister untereinander, den Selbstmord der jüngeren Tochter; aber sie war stolz auf ihren Anteil am schriftstellerischen Erfolg der Söhne und auf ihren eigenen großen künstlerischen Freundeskreis.



Dienstag | 20. November 2018 | 20 Uhr

Ort: Buchhandlung „Der Zauberberg“, Bundesallee 133, 12161 Berlin-Friedenau

  
Vortrag von Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mertens (FU Berlin) 

mit dem Titel:  

Italienischer Liebestod - Thomas Manns Umgang mit italienischer Musik.  
Italienische Opernmusik gehört eigentlich zu Heinrich Mann, er schrieb sogar einen Roman, in dem er sein Bild von Puccini reflektiert. Doch auch Thomas erwärmte sich für Verdi und Puccini, im 'Zauberberg' zählen sie zur "Fülle des Wohllauts", Hans Castorps Lieblingsplatten, und im Leben hörte Thomas Mann diese Musik. Wie hörte er sie? Mit von Wagner imprägnierten Ohren? Der Vortrag verfolgt den Umgang mit der italienischen Oper in Kunst und Leben anhand von klingenden Beispielen.  
  



Mittwoch | 12. Dezember 2018 | ab 18 Uhr

Ort: Restaurant „Ratsstuben Schöneberg“, Freiherr-vom-Stein-Str. 20, 10825 Berlin


Lektüren im Advent. Ein vorweihnachtlicher Abend des Thomas Mann-Kreises


Am Jahresende wollen wir nach gutem Brauch in lockerer Runde zusammenfinden, wobei neben dem kulinarischen natürlich auch der literarische Genuss nicht zu kurz kommen soll. Für diesen werden gewiss mancherlei Beiträge in phantasievoller Gestalt aus dem Kreis der Teilnehmenden sorgen.



Donnerstag | 24. Januar 2019 | 20 Uhr

Ort: Buchhandlung „Der Zauberberg“, Bundesallee 133, 12161 Berlin-Friedenau


Vortrag von Dr. Barbara Oberhäuser mit dem Titel:

Thomas Manns Joseph auf dem Theater


Der Vortrag behandelt die Bühnenaufführungen der Joseph-Tetralogie von Thomas Mann. Dass ein solches Opus magnum auf verschiedenen deutschen Bühnen als Theaterstück zu sehen war, erstaunt, obwohl Romanklassiker auf der Bühne seit Jahren im Trend liegen. Damit erfüllte sich für den Schriftsteller wohl posthum ein Wunsch, nämlich  „…seine Träume einmal so im Fleische wandeln zu sehen…“, wie er in einem Brief an Hugo von Hofmannsthal bereits 1913 schrieb, wenngleich damit sein einziges Drama Fiorenza gemeint war. An diesem Abend wird gezeigt, dass Spielkonzepte als poetologische Einschreibung in den Romanen die Vorlage für eine textliche Bühnenadaption liefern. Sie werden vom Primärtext über den Adaptionstext bis hin zur konkreten Aufführung auf der Bühne nachverfolgt. Dabei werden erstmalig ausgewählte Video-Ausschnitte aus den jeweiligen Joseph-Aufführungen gezeigt.



Mittwoch | 27. Februar 2019 | 20 Uhr

Ort: Buchhandlung „Der Zauberberg“, Bundesallee 133, 12161 Berlin-Friedenau


Vortrag von Claus-Walter König mit dem Titel:

Thomas Mann und Arnold Schoenberg


Thomas Mann und Arnold Schoenberg begegneten einander erst im kalifornischen Exil. Während Mann seine Arbeit am Doktor Faustus aufnimmt, nutzt er die Situation, Schoenberg „über Musik und Komponisten-Dasein auszuholen“, was Schoenberg entgegen kommt, da sein Interesse „auf Verkehr der Häuser“ gerichtet ist. Doch Berater in musikalischen Fragen für diesen Roman wird Theodor Adorno, der „Wirkliche Geheime Rat“, wie Thomas Mann ihn titulierte. In dessen Schrift Zur Philosophie der modernen Musik, in deren Fokus die Zwölf Ton-Technik Schoenbergs steht, findet Thomas Mann eine „artistisch-soziologische Situationskritik“ mit großer Nähe zur Idee seines Romans und greift die Zwölf Ton-Technik in seinem Werk auf. Arnold Schoenberg, der davon nicht in Kenntnis gesetzt war, reagiert nach Erscheinen des Romans verletzt. Die Auseinandersetzung, die sich darauf entspann und erst Anfang 1950 mit einem „Friedensschluss“ beendet wurde, soll in dem Vortrag beleuchtet werden. Darüber hinaus geht es um die Frage, was es mit der Zwölf Ton-Musik auf sich hat und welche Interpretation diese im Doktor Faustus erfährt.



Dienstag | 26. März 2019 | 20 Uhr

Ort: Buchhandlung „Der Zauberberg“, Bundesallee 133, 12161 Berlin-Friedenau


Fortsetzung des oben genannten Vortrags von Claus-Walter König


Der eigentlich für diesen Termin vorgesehene

Lektüreabend zu Thomas Manns Novelle Herr und Hund

Moderation: Dr. Bastian Schlüter (FU Berlin)

wird auf einen späteren Termin verschoben



Donnerstag | 11. April 2019 | 20 Uhr

Ort: Buchhandlung „Der Zauberberg“, Bundesallee 133, 12161 Berlin-Friedenau


Vortrag von Dr. Tim Lörke (FU Berlin) mit dem Thema

Faust im Exil – Thomas Manns Verarbeitung eines deutschen Mythos 


Warum bedient sich Thomas Mann ausgerechnet des Faust-Mythos, um eine Geschichte von deutscher Schuld zu schreiben? Schon bevor er 1943 mit der Arbeit am Doktor Faustus beginnt, dient ihm der Faust-Mythos dazu, gewisse deutsche Kulturtraditionen als Grundlage der nationalsozialistischen Ideologie anzugreifen. Der Vortrag zeichnet Manns Arbeit am Mythos nach und wirft auch einen Seitenblick auf Klaus Manns Mephisto, dessen Lektüre für Thomas Mann einen wichtigen Arbeitsschritt bildet. 



Mittwoch | 29. Mai 2019 | 20 Uhr 

Ort: Buchhandlung „Der Zauberberg“ Bundesallee 133, 12161 Berlin


Vortrag von Matthias Müller (Cornell University)

Schiffbruch mit Zuschauer: Thomas Mann und die Deutsche Niederlage 1945 


Thomas Mann erlebte das Ende des Zweiten Weltkriegs als Sieger und als Besiegter zugleich. Als Sieger verstand sich der exilierte Autor in seiner Rolle als Amerikaner und als unermüdlicher Kämpfer für die Demokratie und gegen den Nationalsozialismus, der nicht zuletzt durch seine BBC-Ansprachen an die deutschen Hörer versucht hatte, der Ideologie Hitlerdeutschlands eine humanistisch-demokratische Perspektive entgegenzusetzen. Als Deutscher gehörte Thomas Mann aber auch zu den Besiegten; schließlich lehnte er die Unterscheidung zwischen einem „guten“ und einem „bösen“ Deutschland vehement ab, sondern betonte wiederholt, dass das böse Deutschland das fehlgegange gute sei. Der Vortrag beleuchtet Thomas Manns Exilpublizistik und seine essayistischen und literarischen Werke im Hinblick auf die Auseinandersetzung mit dem Fluch des Sieges und der erhofften deutschen Niederlage und diskutiert, inwieweit der Niederlage von 1945 im Werk Manns ein epistemologisches und ästhetisches Potenzial zukommt